Berufsordnung der Krankengymnasten

Grundsätze des beruflichen Selbstverständnisses

Inhaltsübersicht
§ 1 Berufsausübung
§ 2 Schweigepflicht
§ 3 Zusammenarbeit mit Ärzten
§ 4 Zusammenarbeit mir Krankengymnasten
§ 5 Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Berufsgruppen
§ 6 Fortbildung
§ 7 Weiterbildung
§ 8 Haftpflichtversicherung
§ 9 Tätigkeit im Angestelltenverhältnis
§ 10 Tätigkeit in freier Praxis
§ 11 Honorierung
§ 12 Werbung und Anpreisung
§ 13 Praxisschilder § 14 Anzeigen, Verzeichnisse, Briefbögen und Stempel


§ 1 Berufsausübung
1. Der Krankengymnast übt seine Tätigkeit auf der Grundlage des geltenden Berufsgesetzes aus.
Der Schwerpunkt der krankengymnastischen Aufgaben liegt in der methodischen Durchführung der Bewegungstherapie, die durch physikalisch-therapeutische Maßnahmen wie z.B. Massage, Wärme-, Kälte- und Wasseranwendungen sowie Elektrotherapie vorbereitet und ergänzt wird.
2. Der Krankengymnast dient durch seine Tätigkeit der Gesundheit des Menschen. Das vorrangige Ziel seiner Behandlung ist die Beseitigung oder Verbesserung gestörter Körperfunktionen.
Dabei ist nicht nur das krankengymnastische Fachwissen entscheidend, sondern auch die Fähigkeit den Patienten zur Mitarbeit zu gewinnen und seine Selbsttätigkeit anzuregen.
3. Der Krankengymnast behandelt aufgrund ärztlicher Diagnose und Verordnung. Er wählt in diesem Rahmen nach krankengymnastischer Befunderhebung die Methoden und Techniken seiner Behandlung aus.
4. Der Krankengymnast darf bei der Ausübung seines Berufes keinen Unterschied machen hinsichtlich Nationalität, Religion, Geschlecht sowie politischer Einstellung oder sozialer Stellung des Patienten.
5. Der Krankengymnast muß sich über die für die Berufsausübung geltenden Vorschriften unterrichten und ist verpflichtet sie einzuhalten.
Er darf in der Regel keine Anweisungen befolgen, die sich nicht mit seinen krankengymnastischen Aufgaben vereinbaren lassen.
6. Der Krankengymnast ist verpflichtet, seinen Beruf gewissenhaft auszuüben und dem Vertrauen zu entsprechen, das ihm im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit entgegengebracht wird.
7. Der Beruf des Krankengymnasten wird seiner Natur nach persönlich ausgeübt; er ist kein Gewerbe. In eigener Praxis betrieben ist er ein freier Beruf

§ 2 Schweigepflicht
1. Der Krankengymnast hat über alles, was ihm in seiner Eigenschaft als Behandler anvertraut wird oder bekannt geworden ist, Dritten gegenüber zu schweigen. Diese Schweigepflicht bezieht sich auch auf schriftliche Mitteilungen des Patienten, Aufzeichnungen über Patienten, Röntgenaufnahmen und andere Untersuchungsbefunde. Sie gilt auch gegenüber den eigenen Familienangehörigen.
2. Ist der Krankengymnast von seiner Schweigepflicht rechtswirksam entbunden oder ist die Offenbarung zum Schutze eines höheren Rechtsgutes erforderlich, so ist der Krankengymnast insoweit zur Offenbarung von der Schweigepflicht unterliegenden Tatsachen befugt; dies gilt auch für Aussagen in gerichtlichen Verfahren.
3. Die Verpflichtung zur Verschwiegenheit zugunsten des Patienten gilt grundsätzlich auch, wenn der Krankengymnast im amtlichen oder privaten Auftrag eines Dritten tätig wird. Bei der Behandlung z. B. von Mitgliedern einer Krankenkasse müssen daher die Mitteilungen an die Krankenkasse auf das erforderliche Maß beschränkt werden, das sich aus der Aufgabe der Krankenkasse ergibt.
4. Bei der Zusammenarbeit mit Ätzten oder Angehörigen anderer Berufe im Gesundheitswesen in der Behandlung des Patienten oder im Falle der Weiterleitung des Patienten an einen anderen Krankengymnasten ist der Krankengymnast diesem Personenkreis gegenüber v on seiner Schweigepflicht entbunden, sofern der Patient nicht anderes bestimmt.
5. Der freiberuflich tätige Krankengymnast hat alle Mitarbeiter und Hilfskräfte einschließlich der Personen, die zur Vorbereitung auf den Beruf bei der krankengymnastischen Behandlung anwesend sind, über die gesetzliche Pflicht zur Verschwiegenheit zu belehren und dieses schriftlich festzuhalten.
6. Zum Zwecke der wissenschaftlichen Forschung und Lehre dürfen der Verschwiegenheit unterliegende Tatsachen und Befunde nur soweit mitgeteilt werden, als dadurch berechtigte Interessen des Patienten nicht verletzt werden oder dieser ausdrücklich vorher zu stimmt.

§ 3 Zusammenarbeit mit Ärzten
1. Die an die ärztliche Verordnung gebundene Tätigkeit des Krankengymnasten erfordert Kontakt zum behandelnden Arzt.
Bei Unklarheiten der Verordnung oder Besonderheiten des Krankheitsverlaufes soll eine Rücksprache mit dem verordnenden Arzt erfolgen. Der Krankengymnast ist verpflichtet, dem Arzt wesentliche Beobachtungen am Patienten, die mit der Erkrankung zusammenhänge n oder zusammenhängen können, mitzuteilen und Auskunft über den Verlauf der Behandlung zu geben.
2. Das berufsbedingte Verhältnis zwischen Arzt und Krankengymnast beruht auf der Achtung vor der fachlichen Kompetenz des anderen.

§ 4 Zusammenarbeit mir Krankengymnasten
Der Krankengymnast ist bei seiner beruflichen Zusammenarbeit mit anderen Krankengymnasten zu rücksichtsvollem und kollegialem Verhalten verpflichtet. Herabsetzende Äußerungen über die Person, die Behandlungsweise oder das berufliche Können und Wissen eines anderen Krankengymnasten schaden dem Ansehen des gesamtenBerufsstandes.

§ 5 Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Berufsgruppen
Die Zusammenarbeit des Krankengymnasten mit Angehörigen anderer Berufsgruppen im Gesundheitswesen soll geprägt sein von dem Wissen um die notwendige Kooperation zum Wohle des Patienten. Diese erfordert Loyalität und gegenseitigen Respekt vor der berufliche n Zuständigkeit des anderen.

§ 6 Fortbildung
1. Der Krankengymnast, der seinen Beruf ausübt, hat die Pflicht, sich im Rahmen seines Tätigkeitsbereiches fachlich fortzubilden. Der Krankengymnast, der längere Zeit seinen Beruf nicht ausgeübt hat, hat vor Wiederaufnahme seiner Tätigkeit sein fachliches Wissen und Können mit geeigneten Mitteln zu erneuern.
Über die Fortbildung ist von ihm ein Nachweis in üblicher Form zu führen.
2. Geeignete Mittel zur Fortbildung sind die Teilnahme an fachbezogenen Kongressen, Lehrgängen, Kursen, Übungsgruppen und Arbeitskreisen, ergänzt durch das Studium von Fachliteratur und anderen Unterrichtsmedien.

§ 7 Weiterbildung
Weiterbildungen werden nur im Rahmen der »Weiterbildungsordnung für Krankengymnasten« anerkannt.

§ 8 Haftpflichtversicherung
Der Krankengymnast ist verpflichtet, sich ausreichend gegen Haftpflichtansprüche aus seiner beruflichen Tätigkeit zu versichern oder versichern zu lassen.

§ 9 Tätigkeit im Angestelltenverhältnis
Krankengymnasten sollen nur Anstellungsverträge schließen, die ihrem Inhalt nach nicht gegen die Grundsätze dieser Berufsordnung verstoßen.

§ 10 Tätigkeit in freier Praxis
1. Die Ausübung des krankengymnastischen Berufes in eigener Praxis ist an die Niederlassung gebunden.
2. Der Krankengymnast muß seine Praxis persönlich betreiben.
Die Beschäftigung von Mitarbeitern setzt die verantwortliche Leitung der Praxis durch den niedergelassenen Krankengymnasten voraus.
3. Der freiberuflich tätige Krankengymnast ist verpflichtet, mit der krankengymnastischen Behandlung von Patienten nur solche Mitarbeiter zu beauftragen, die berechtigt sind, die Berufsbezeichnung »Krankengymnast« zu führen.
4. Der Krankengymnast darf nicht zur gleichen Zeit an mehreren Stellen Praxis halten (Filialpraxis).

§ 11 Honorierung
1. Der Krankengymnast hat Anspruch auf seine Honorierung die im angemessenen Verhältnis zu Art, Schwierigkeit und Umfang seiner Behandlungstätigkeit steht.
2. Soweit die Honorierung nicht durch Gebührenvereinbarungen mit Kosten-trägern festgelegt ist, soll der Krankengymnast dem Patienten die voraussichtliche Höhe der Kosten vor der Behandlung mitteilen.
3. Der Krankengymnast soll übliche Sätze nicht in unlauterer Weise überschreiten.

§ 12 Werbung und Anpreisung
1. Jegliche Werbung und Anpreisung für seine berufliche Tätigkeit ist dem Krankengymnasten untersagt. Sie verstößt gegen das berufliche Selbstverständnis und schadet dem Ansehen des Berufsstandes der Krankengymnasten in der Öffentlichkeit.
Insbesondere ist es mit dem Ansehen des Berufsstandes unvereinbar,
a.) öffentliche Danksagungen oder anpreisende Veröffentlichungen zu veranlassen oder zuzulassen, b.) den eigenen Namen für werbende Veröffentlichungen über Produkte/Heilmittel oder Behandlungsmethoden zur Verfügung zu stellen, wenn diese dazu bestimmt sind, für die eigene Praxis zu werben.
2. Der Krankengymnast ist bei eigenen Veröffentlichungen zu verantwortungsbewußter Objektivität verpflichtet.

§ 13 Praxisschilder
1. Der niedergelassene Krankengymnast hat seine Praxis durch ein Praxisschild kenntlich zu machen; es hat die ausschließliche Aufgabe, der Öffentlichkeit die Krankengymnastik-Praxis anzuzeigen.
2. Das Praxisschild hat insbesondere den Namen, die Berufsbezeichnung »Krankengymnast« und Angaben über die Behandlungszeiten zu enthalten.
Zusätzlich dürfen auf dem Praxisschild Angaben über Kassenzulassung, Zusatzbezeichnungen nach der Weiterbildungsordnung sowie Angaben über die krankengymnastischen Tätigkeitsbereiche aufgeführt sein; letztere werden durch den Deutschen Verband für Physiotherapie Zentralverband der Krankengymnasten (ZVK) e. V. einheitlich formuliert und bekanntgegeben.
3. Das Praxisschild darf nicht in aufdringlicher, werbender Form gestaltet oder angebracht sein.
4. Bei versteckt liegenden Praxiseingängen und in Treppenhäusern sind falls erforderlich - Hinweisschilder gestattet.
5. Bei Verlegung der Praxis kann der Krankengymnast an dem bisherigen Praxisort bis zur Dauer eines halben Jahres ein Schild mit einem entsprechenden Hinweis auf den neuen Praxisort anbringen.

§ 14 Anzeigen, Verzeichnisse, Briefbögen und Stempel
1. Anzeigen in der Tagespresse über die Niederlassung oder Zulassung dürfen außer der Anschrift der Praxis nur die für die Schilder des Krankengymnasten gestatteten Angaben (§13 Ziffer 2) enthalten. Sie dürfen nur dreimal bis zu drei Monaten nach der Niederlassung oder nach Aufnahme der Kassenpraxis veröffentlicht werden. Weitere Veröffentlichungen über die Niederlassung oder Zulassung sind untersagt.
2. Weiterhin sind Anzeigen in der Tagespresse nur bei Abwesenheit von der Praxis oder Krankheit sowie bei Verlegung der Praxis, Änderung der Behandlungszeiten oder der Fernsprechnummer gestattet. Derartige Anzeigen dürfen höchstens zweimal aus dem selben Anlaß veröffentlicht werden.
3. Form und Inhalt dieser Anzeigen müssen sich nach den örtlichen Gepflogenheiten richten. Krankengymnasten dürfen sich nicht in Verzeichnisse mit werbendem Charakter aufnehmen lassen.
4. Für Briefbögen und Stempel gelten die Vorschriften des § 13 Ziffer 2 und 3 sinngemäß.